The Red Winter

Titel: The Red Winter | Autor*in: Cameron Sullivan
| Genre: Fantasy| Verlag: Fischer Tor | Erscheinungsdatum: 25.2.2026 |
Seitenzahl: 576 Seiten | Preis: ab 26,00 Euro Hardcover

Der Monsterjäger Sebastian Grave ist ein Mann vieler Talente und Geheimnisse, und war in mehr als einem Jahrhundert zu Hause. Nun reist er in die abgelegene französische Provinz Gévaudan. Der dortige Baron hat Freiwillige zur Jagd auf die Bestie aufgerufen, die für das Abschlachten von Vieh und Menschen verantwortlich sein soll. Zusammen mit dem Dämon Sarmodel und dem jungen Adligen Antoine d’Ocerne macht sich Sebastian auf die Jagd. Bald zeigt sich: Die Bestie von Gévaudan ist schwerer zu fangen als gedacht – und es ist bei weitem nicht das einzige Monster, das in Frankreich sein Unwesen treibt …

Hüte dich vor den wahren Monstern …

Nicht dass er das alles hätte lesen können: Sarmodel hält das geschriebene Wort für den Höhepunkt menschlicher Eitelkeit – gleichauf mit der Ehe. Während ich mich bemüht habe, die unzähligen Sprachen der Menschen, Dämonen und Engel zu erlernen, ist der mir innewohnende Geist auf seine achttausend Jahre Analphabetentum auch noch stolz.

Sebastian ist vieles. Professor. Monsterjäger. Träger eines Dämons. Aber er ist definitiv nicht dumm. Als ein junger Adliger bei ihm auftaucht, weiß Sebastian, dass seine allzu lange Vergangenheit ihn eingeholt hat. Und dass er nun die Rechnung dafür zahlen muss, vor so vielen Jahren nicht alles erledigt zu haben. Und natürlich lässt ihn sein arkaner Begleiter, der Dämon Sarmodel, der in seinem Geist wohnt, keinen Moment aus, ohne zu erwähnen, dass er es ihm ja gesagt hatte. Immerhin war es schon immer am besten, einfach alle umzubringen.
Und so zieht es Sebastian zurück nach Frankreich, um endlich etwas zu Ende zu bringen, das schon Jahrhunderte zwischen ihm und einem Gott steht.

Ich liebe Sarmodel!!

Sarmodel und Sebastian sind einfach ein unglaublich gutes Gespann. Beide moralisch etwas fragwürdig ausgerichtet, beide mit schwer fassbarem moralischem Kompass und einem leichten Hang zu Blut und Verderben. Egal ob jetzt selbst verschuldet oder nicht. Und beide hängen ziemlich aneinander. Das nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, immerhin besetzt Sarmodel den Körper unseres Professors, sondern auch im realen Sinne. Denn die beiden haben eine recht komplexe Beziehung zueinander. Sie sind Magier und Dämon, Freunde und Geliebte in einem. Und das macht ihre Dynamik so absolut herrlich.
Aber sie müssen auch gut zusammenhalten. Und das nicht nur, weil der Tod des einen auch den Untergang des anderen bedeuten würde. Nein, auch einen Erzengel höchstselbst haben sich die Beiden zum Feind gemacht. Und zwischen Seelen, Mord und der ein oder anderen abgetrennten Gliedmaße, begeben sich unsere beiden auf Monsterjagd.

Sebastian und die Liebe

Etwas, was ich an der Story so gut fand, war die Liebesgeschichte. Da wir in dem Buch mehrere Handlungsstränge durch verschiedene Zeiten parallel verfolgen, bekommt man schnell ein gutes Bild von Sebastian. Er ist schlau, ein wenig feige, und wenn er sein Herz einmal verschenkt, dann bis zum letzten Atemzug des anderen. So ergeht es ihm auch mit dem Sohn seines damaligen Auftragsgebers, als er angeheuert wird, die Bestie von Gévaudan zu jagen. Dort trifft er auf Antonio, einen freimütigen Adeligen, auf den sich unser Professor nur zu gerne einlässt. Doch wo Zauber gewirkt werden, geschehen nicht nur gute Dinge, und so beginnt sich die Beziehung der beiden zu verändern. Und zwischen Gefühlen und nicht beglichenen Schulden bleibt etwas Dunkles zurück.

Komplex

„Red Winter“ ist komplex und sicherlich nicht für jeden etwas. Man muss die Zeitsprünge aktiv verfolgen, sollte die vielen Personen und Beziehungen im Blick behalten und nebenbei noch die Fußnoten lesen. Und doch habe ich jede Seite geliebt. Habe es extra langsam gelesen, weil ich mich in der Welt, den Intrigen, Sebastians Zaubern und Sarmodels uralter Macht so verdammt wohlgefühlt habe. Fast entspannte Szenen wechseln sich mit blutigem Gemetzel ab. Liebe mit Verrat und Rettung mit dem unausweichlichen Ende.
Dazu kommt der wahre Kern der Geschichte, die an Religion und Politik und dem wahren Mythos der Bestie von Gévaudan zupft.

Hinter dem wunderschönen Cover verbirgt sich eine großartige High-Fantasy-Geschichte, die man nicht mal so nebenbei lesen sollte. Sie ist tief, fordert Aufmerksamkeit und belohnt seine Leser dafür mit einer dichten Geschichte in wunderschöner Sprache. Brutal, wunderschön und immer wieder überraschend. Zwischen unperfekten Helden, die gleichzeitig Teufel sind, und sadistischen Heiligen folgt man dem Pfad einer Geschichte und steht am Ende fassungslos vor dem großen Finale. Und man liebt jede Seite bis dahin.

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