Titel: Secret – Du sollst mich fürchten | Autor*in: S.T. Abby |
Genre: Thriller/Romance | Verlag: Goldmann | Erscheinungsdatum: 24.6.2026 |
Seitenzahl: 240 Seiten | Preis: ab 12,00 Euro Broschur

Die junge erfolgreiche Lana Myers lebt zurückgezogen in Virginia. Niemand würde vermuten, dass sie die meistgesuchte Serienkillerin des Landes ist. Ihre Opfer: Männer, die alle aus derselben Kleinstadt stammen. In einer dunklen Nacht vor zehn Jahren begingen sie ein unaussprechliches Verbrechen, und Lana hat grausame Rache geschworen. Dicht auf den Fersen ist ihr ein Spezialteam des FBI unter der Leitung von Agent Logan Bennett. Als Logan in einem Café eine attraktive junge Frau kennenlernt, ahnt er nicht, dass er dabei ist, eine Killerin in sein Leben zu lassen …

Das also ist dieser gehypte neue Thriller … Nun …
Lust zu spielen?
Hier haben wir es also. Die Reihe, über die alle reden, hypen und am liebsten ihre linke Niere verkaufen würden, um den nächsten Teil in die Finger zu bekommen. Es wird als Mindfuck und absolutes Thriller-Phänomen beworben. Thriller und Romance. Sogar eine Serienkillerin! Natürlich musste ich es also lesen! Und ich muss sagen, die Idee an sich ist in ihren Grundzügen wirklich gut. Die Umsetzung … leider nicht. Aber beginnen wir doch mal direkt am Anfang. Der hat nämlich direkt dafür gesorgt, dass ich Logan am liebsten selbst ans Messer geliefert hätte.
Alles beginnt damit, dass unsere Killerin friedlich in einem Café sitzt, gerade einen aufdringlichen Typen abgewimmelt hat – Logans Polizeikollegen – und kurz darauf bemerkt, ihr Essen wurde schon bezahlt. Und das möchte Lana einfach nicht. Etwas, das man, wenn man es vielleicht nicht verstehen kann (vom Kerl aus gesehen), so zumindest akzeptieren könnte, und das Geld, was sie einem zurückgeben will, einfach nehmen. Und da hätte sich eine echt nette Sache draus ergeben können. Wie gesagt hätte. Denn Logan reagiert unglaublich unangenehm:
Sein Grinsen wird nur noch breiter. „Gehst du immer so auf Abwehr? Machst du dir ständig Sorgen, dass andere dir was Böses wollen? Oder läuten deine feministischen Alarmglocken, wenn ein Mann etwas so Mittelprächtiges tut wie deinen Kaffee und Muffin zu bezahlen?“
Alleine da stellen sich mir schon die Nackenhaare auf. Nicht nur, dass er ihre Entscheidung nicht akzeptiert, nein, er macht sich auch noch wie der letzte Idiot darüber lustig. Und beweist, dass er das mit dem Feminismus auch nicht wirklich verstanden hat. Scheinbar kann ja heutzutage jeder Polizist werden.
Dann fängt er sie auch noch vollkommen unangenehm an zu analysieren, und während ich absolute Gänsehaut – die unangenehme Art und Weise – bekomme, ist Lana ein wenig beunruhigt und doch beeindruckt. Ich hatte hier wirklich gehofft, dass sie ihn einfach beim nächsten Mal umbringt. Mir wäre so viel erspart geblieben.
Wir kennen uns nicht, aber unsere Kinder haben schon Namen.
Und das könnte man recht wörtlich nehmen. Anstatt sich nämlich erst einmal kennenzulernen, ist ihr erstes Gespräch – 4 Tage später am Handy – so, als würden sie schon wochenlang miteinander ausgehen. Hier wird plötzlich eine Dynamik gespielt, die absolut keinerlei Grundlage hat. Und so springen sie sich eigentlich auch schon recht schnell und platt an, ohne dass bei mir irgendein Gefühl ankam. Zwischendrin wird immer wieder betont, wie toll und klug und so Logan natürlich ist – zum Beispiel sind wir bei einer ziemlich fragwürdigen Auflösung eines seiner Fälle dabei, zu dem wir aber selbst absolut keinen Bezug haben. Aber egal, Hauptsache, wir merken hier wieder: Logan ist ein ganz Toller! Scheinbar reicht das.
Auch Lana ist von der Figur her sehr, sehr blass. Immer mal wieder gibt es kleine Hinweise, damit man schnell ahnt, was ihr passiert ist und was sie zu dem treibt, was sie tut. Und verdammt, ich will sie mögen! Ich habe ihr die Daumen gedrückt, und gleichzeitig fragte ich mich, wie man so klug sein kann, mit seinen Morden absolut geil durchzukommen, und sich dann so blind, blauäugig und naiv auf jemanden wie Logan einzulassen. Besonders da der Kerl seine Möglichkeiten als Polizist ausnutzt, um in Lanas Privatsphäre gründlich herumzuschnüffeln. Und gerade da fragte ich mich: Wer ist hier der wahre Psycho?
Zum Glück gibt es Jack
Und während die Geschichte also so vor sich hinplätscherte, und die Lana-Mordszenen auch weiiiit hinter allem zurückblieben, was ich erwartet hatte, konnte mich zumindest Jack begeistern. Jack ist ein Sidekick. Lanas bester Freund. Er kennt ihre Vergangenheit und Ziele und unterstützt sie vollkommen dabei. Er hilft ihr beim Einsammeln der Kerle, nur um später kotzend im Auto zu sitzen, während sie ihre Rache genießt. Kurzum: Jack ist einfach ein mega guter Freund! Wenn es nach mir ginge, könnte sie den Romancen. Hier hätten wir nämlich wesentlich mehr Tiefe und Vertrautheit, als Logan im Band 1 erreicht.

„The Secret“ will sehr viel mit einmal. Es will eine Romance sein, bringt aber weder echte Gefühle noch Tiefe oder Verbundenheit mit. Es will ein Thriller sein und scheitert auch daran. Es wird als blutige gefeiert, zeigt Lana aber nie in Aktion und wird auch hier von anderen Vertretern des Genres, z. B. Butcher & Blackbird, meilenweit abgehängt. Die Beziehung zwischen Logan und Lana fühlt sich in 90 % der Fälle einfach nur sehr unangenehm an. Da ist einfach gar nichts, allerhöchstens körperliche Anziehung, die aber als große Gefühle gefeiert werden. Und dass hier keinerlei Kennen dazwischensteht, wird sogar noch gefühlt gefeiert. Stattdessen rast die Handlung vor sich hin und verliert dabei zunehmend an Substanz.
Aktuell überlege ich noch, ob ich Band 2 eine Chance gebe. Das Buch ist recht dünn, sehr groß geschrieben und eher was für einen kurzweiligen Abend.


