Titel: Das dreizehnte Kind | Autor*in: Erin A. Craig |
Genre: Fantasy/ Jugendbuch | Verlag: Ullstein | Erscheinungsdatum: 30.10.2025 |
Seitenzahl: 400 Seiten | Preis: 19,99 Euro Hardcover

Hazel Trépas ist kein gewöhnliches Mädchen. Als dreizehntes Kind wurde sie einem Gott versprochen: dem Tod persönlich. Von ihm erhielt sie eine Gabe, die sie zu einer der größten Heilerinnen des Königreichs machen sollte: Hazel erkennt auf einen Blick, wie jede Krankheit geheilt werden kann.
Doch jede Gabe hat ihren Preis. Hazel sieht auch, wenn das Schicksal eines Menschen besiegelt ist. Geplagt von den Geistern jener, deren Leiden sie beenden musste, sehnt Hazel sich nach Freiheit. Als der König tödlich erkrankt und das Reich vor dem Zerfall steht, wird Hazel an den Hof gerufen. Dort begegnet sie Prinz Leo, einem charmanten Thronfolger, der ebenso rebellisch ist wie Hazel selbst. Kann Hazel den Tod überlisten, um den König zu retten? Und zu welchem Preis?

Der Tod ist einfach ein netter Kerl!
Genau so betrachtete mein Pate nun meine Mutter, als wäre sie ein winzig kleines Geschöpf, das sein Dasein normalerweise jenseits göttlicher Aufmerksamkeit fristete – und das ihm auf einmal doch faszinierend genug erschien, um sich für einen Moment damit zu beschäftigen.
Es war einmal ein törichter Jäger …
Jedes Jahr erzählt Hazels Pate ihr ihre Geburtstaggeschichte. Eine Geschichte von einem törichten Jäger und seiner törichten, schönen Frau, die dreizehn Kinder in die Welt setzen und damit die Aufmerksamkeit der Götter auf sich ziehen. Denn ein dreizehntes Kind ist selten und mächtig. Doch der Jäger weist die Götter ab … bis er schließlich vor dem Endgültigen steht, dem Tod persönlich, und ihm das Kind verspricht. Ihm Hazel verspricht.
Was daraus entwächst, ist die besonderste, dunkelste, boshafteste und spannendste Geschichte, die man sich nur vorstellen kann. Wir wachsen mit Hazel bei ihren Eltern auf, die sie nie als Teil der Familie sehen, werden vom Tod – der übrigens eine Vorliebe für Kuchen hat – schließlich abgeholt, nur um Monate mit viel zu vielen Medizinbüchern in einem Haus in der Zwischenwelt zu verbringen. Denn der Tod will sie zu einer Heilerin machen. Und wo man erst glaubt, das ist etwas widersprüchlich, zeigt sich bald, dass der Tod wohl einer der sanftesten Götter ist. Einer, der das Leben gerade deswegen schätzt, weil er seine Endlichkeit begriffen hat.
Ich hoffe, ihr habt keinen sensiblen Magen.
Hazel durch ihre Ausbildung zur Heilerin zu begleiten und auch bei ihren Patienten über die Schulter zu schauen, ist unglaublich spannend und wechselt sich auch mal mit etwas Widerlichem ab Denn wenn hier jemandem die Zehen abfaulen, Hazel in Darmschlingen wühlen oder die Luft nach nicht ganz so aromatischen Ausdünstungen duftet, dann wird das beschrieben. Und zwar sehr, sehr genau! Und glaubt mir, es gibt wirklich viele Sachen, die man hier beschreibt. Und das fand ich so gut! Denn die Arbeit einer Heilerin ist nicht sauber! Dazu kommen die Götter, die immer mal wieder an Fäden ziehen und dem Chaos lauschen, welches sie damit anrichten.
Der Tod ist in diesem Buch allgegenwärtig. Und nicht nur in Person. Hazel kommt immer wieder an ihre Grenzen, wenn der Totenkopf ihr zeigt, dass sie die Person vor sich erlösen/töten muss. Denn überlebt sie, stellt Hazel sich gegen die Ordnung, kann das noch viele tausende Tote bedeuten. Entweder durch eine verschleppte Seuche oder auch durch eine Wesensänderung, durch ein geschädigtes Gehirn. Doch solche Entscheidungen sind nicht leicht zu treffen …
Leopold
Ich liebe die Geschichte, die Welt, die Götter, die Dunkelheit und auch Hazels mal so ganz andere Rolle. Und nimmt man all das zusammen, diesen riesigen Berg aus Handlung, hätte es die Liebesgeschichte mit Leopold einfach nicht gebraucht. Nicht, weil ich den Kerl nicht mochte und die Beziehung zwischen den beiden recht oberflächlicher Natur war. Das hätte ich noch akzeptieren können. Nein, es lag eher an dem furchtbaren Verhalten dieses Kerls. Angefangen dabei, dass er unhöflich ist und Hazel durchgehend beleidigt. Einer der „besten“ Momente ist der, bei dem er sie mit einer Prostituierten vergleicht. Weil, jeder weiß ja, dass Heiler und Prostituierte das Gleiche sind, immerhin werden sie ja beide für ihre Dienste bezahlt. Ja, die Hirni! Wie jedes andere Gewerbe auch! Und seine spätere „Entschuldigung“ dazu war einfach noch eine viel größere Red Flag! Denn nein, es ist nicht okay, so etwas zu sagen, um vor seinen Freunden besser dazustehen. Dass sie dann irgendwie schrecklich ineinander vernarrt waren, obwohl sie sich im Grunde nicht einmal kannten. Hätte es für die Geschichte ehrlich nicht gebraucht.

„Das dreizehnte Kind“ ist definitiv für mich eines der düstersten und brutalsten Jugendbücher und je nach jungem Leser sollte man wohl abwägen, ob das Kind mit so viel Blut, Körperteilen und vor allem dem Tod umgehen kann. Erwachsene Leser sollten diesem Buch auch einmal einen Blick zuwerfen, denn es muss sich wahrlich nicht hinter seinen großen „Geschwistern“ in der Erwachsenenfantasy verstecken.


