Titel: Das White Octopus Hotel | Autor*in: Stella Tack
| Genre: Belletristik | Verlag: Harper Collins | Erscheinungsdatum: 24.2.2026 |
Seitenzahl: 384 Seiten | Preis: ab 24,00 Euro Hardcover

Als die junge Kunstgutachterin Eve Shaw in ihrem Büro einem silberhaarigen Herrn die Hand schüttelt, wird sie das Gefühl nicht los, diese schon einmal gehalten zu haben. Aber wo und wann? Sie erfährt von einem rätselhaften Ort, dem White Octopus Hotel . Mythen von Zeitreisezimmern und magischen Gegenständen ranken sich darum. Eve beschließt, in dem verlassenen Anwesen, hoch oben in den Schweizer Alpen, nach Antworten zu suchen und findet sich plötzlich in dem prachtvollen Belle-Époque-Hotel zu seiner Glanzzeit wieder. Ein junger Mann kreuzt ihren Weg, doch es ist nicht ihr erstes Treffen. Ist es ein neuer Anfang oder ein weiteres Ende? Kann das Ende auch ein Anfang sein?

Weiße Kaninchen und Monster
Eine Welle von Gefühlen überflutete sie – Freude, Sehnsucht, unerklärliches Heimweh und Verlust. Sie musste dieses Hotel schon mal besucht haben.
Eve ist schuld am Tod ihrer jüngeren Schwester. Das macht ihre Mutter ihr sehr deutlich, als an ihrem 4. Geburtstag ein Unfall passiert. Ein Unfall, an dem die kleine Eve schuld ist. Denn als sie vergaß, das Gartentor zu schließen, lief ihre Schwester auf die Straße und wurde von einem Auto erfasst.
Sie verstarb und auch über 20 Jahre später hat Eve ihren Tod noch nicht überwunden. Immer wieder verfolgt sie ein weißes Kaninchen, die Gestalt ihrer Schuldgefühle, und sie hört Bellas Lachen und ihre Schritte. Sie hat gelernt, es zu ignorieren, aber verarbeitet hat sie es nie.
Doch als sie eines Tages vom White-Octopus-Hotel Einem inzwischen leerstehenden Hotel, das einst voller magischer Objekte gewesen sein soll. Unter anderem Briefpapier, mit dem man einen Brief an sein jüngeres Ich schreiben kann. Und plötzlich ist für Eve nichts wichtiger, als an dieses Briefpapier zu kommen. Dafür ist sie sogar bereit, die Zeit selbst zu überwinden.
Doch kann es wirklich so einfach sein?
Alles hinterlässt Spuren …
Dieses Buch ist eine Perle, über die wohl nicht halb so viele Leser stolpern werden, wie ich es mir wünschen würde. Denn die Geschichte ist magisch, tragisch, ein bisschen romantisch und so unglaublich tief. Es geht ums Verzeihen und Akzeptieren, aber auch darum, nicht in dieses Rabbit-Hole zu fallen, in dem man glaubt, genau zu wissen, was andere denken oder fühlen. Es geht um das Überwinden von Traumas und das Wissen, dass es besser wird, aber nie ganz vergessen ist. Es ist eine tragisch süße Liebesgeschichte und noch viel mehr. Dabei konnte ich die ganze Zeit mit Eve mitfühlen. Ihren Wunsch, etwas zu verändern, verstehen und doch nach und nach lernen, dass, wenn sie diese eine Sache wirklich ungeschehen macht, sich andere ebenfalls verändern. Sie so Leute nicht trifft, welche vielleicht gerade aus ihrer Begegnung Kraft zum Weiterkämpfen/Weiterleben geschöpft hat.
Nicht einfach!
Diese Geschichte kann man nicht einfach mal nebenbei lesen. Sie fordert Aufmerksamkeit Nicht nur wegen der Zeitsprünge, sondern auch wegen der komplexen Beziehungen, welche sich durch das Buch hindurch spannen. So hasste ich die Mutter am Anfang und konnte sie am Ende mehr als nur verstehen. Denn manchmal ist es gerade das Ungesagte, was eine Beziehung verändern kann.
Ich habe es geliebt, zu sehen, wie Eve sich langsam öffnet, anderen eine Stütze ist und sich gleichzeitig selbst zu verzeihen lernt.

Falls ihr euch eigentlich eher abseits der Fantasy tummelt, so bitte ich euch: Lasst euch von dem Hauch Magie nicht abschrecken. Denn hier versteckt sich eine wunderschöne und so verdammt tiefe Geschichte, die ich so noch nie gelesen habe. Eine Perle im Regal.


