Das gefälschte Siegel

Titel:Das gefälschte Siegel Reihe: Ja – Band 1 der – Das Lied von Eis und Feuer – Buchreihe Sprache: Deutsch Autor:Maja Ilisch Verlag: Klett-Cotta  Genre: High-Fantasy ISBN: 978-3-608-96030-3 Preis: 22,00 $ (D) Hardcover Seiten: 486 empfohlenes Alter: ab 15 Jahren Erschienen: 28. Februar 2019 Leseprobe

Der andere Mann lachte laut. „Steinerner Wächter? Niemals! Die Steinernen bleiben da, wo sie hingehören. Ich sag dir, einen stinknormalen Eindringling haben wir da erwischt!“

Um Kevron, der einst ein begnadeter Fälscher war, steht es nicht zum Besten. Schulden, Alkohol und sein angeborener Hang zur Faulheit haben ihn fest im Griff. Da klopft es eines Tages an seine Tür. Vor der Kammer steht kein Geringerer als der geschwätzige Prinz Tymur und sein Anliegen duldet keinen Aufschub.

Wenn es um Cover geht, kann es Klett-Cotta einfach. Hier geht einem als Fantasy-Fan doch einfach das Herz auf. Die Stimmung, der Stil, die Farben. Ich war gleich ganz verliebt. Auch der Klappentext hat richtig Lust gemacht. Ein fauler Fälscher klang einfach mal nach etwas neuem.
Siegel und Titel sind übrigens leicht erhaben und ergeben eine tolle Haptik.

Erster Satz – Tausend Jahre, und niemand hatte die Schriftrolle auch nur angerührt. 

Seit dem Tod seines Bruders ist der Fälscher Kev nicht mehr derselbe. Er trinkt viel zu viel und hat Unsummen an Schulden bei seiner Gilde. Da möchte man meinen, das der Prinz der plötzlich vor seiner Tür steht und ihm ein Angebot macht, gerade recht kommt. Doch Kev ahnt, das die Sache nicht gut für ihn enden wird. Dafür hat er eine Nase. Doch was hat er schon für eine Wahl?
Seine Befürchtungen bewahrheiten sich. Er soll nicht nur die Schriftrolle eines legendären Dämons fälschen, sondern sich auch auf die Suche nach einer uralten Zauberin machen.
Kann der Tag noch schlimmer werden?

Ich musste ziemlich kämpfen. Gerade am Anfang. Die Autorin hat mich mit ihre pseudo-alten Sprache fast zum Aufgeben gezwungen. Es wirkte oftmals sehr gestelzt und biss sich einfach für mich mit den Figuren. Ich habe Ihnen das einfach nicht abgenommen. Dazu kamen diese unglaublich langen Schachtelsätze. Hier und da einer stört mich nicht, wenn aber plötzlich eine Seite gefühlt nur aus 5 Sätzen besteht . . . da gerate auch ich irgendwann an meine Grenzen. Für mich stört so etwas in derartiger Masse einfach.
Und dann wollte ich schon aufgeben . . . und dann hatte ich das Gefühl einen kompletten Bruch im Stil zu erleben. Es war gegen Seite 100, als plötzlich diese Schachtelsätze sich reduzierten, der Stil klarer und passender zu den Figuren wurde.

Sie schienen aus einer Welt zudtammen, die so lange vorbei war wie alles andere dort unten, mit schweren, grauen Rüstungen, ihre Schwerter mit langen, breiten Klingen – selbst wenn noch Regung in ihnen war, strahlten sie eine altertümliche Schwerfälligkeit aus, die keinem modernen Rapier gewachsen sein konnte, keinem Paar tänzelnder Stiefel und erst rechtnicht den hüpfenden Füßen eines kleinen Jungen, der mehr Leben in sich hatte als sie alle zusammen.

Die Spannung baut sich eher langsam auf und zwingt einen sich eher erstmal mit den Figuren auseinander zu setzen. Das ist nicht schlecht, da man beginnt einige Widersprüche zu finden – was gewollt ist – und misstrauen aufzubauen. Leider geht dabei jedoch die eigentliche Umgebung sehr unter. Da hätte ich mir mehr „Bilder“ gewünscht.

Um es ganz nüchern zu sehen, muss ich zugeben, dass ich bis auf Kev als einziger überhaupt mochte. Der Prinz war unglaublich sprunghaft in seinem Verhalten. Auf der einen Seite lieb, freundlich, witzig und im nächsten Moment wieder ein richtiger Arsch. Warum das so war lässt gerade gegen Ende nur eine Vermutung zu, also ist sein Verhalten geplant, sympathischer macht es ihn dennoch nicht.
Die Magiern Enidin ging mir schon am Anfang unglaublich auf die Nerven. Was soll man mit einer Magierin, die sich weigert zu zaubern? Mit ihren ständigen Erklärungen das Magie nicht zum Eigennutz da ist und blablabla machte sie sich bei mir keine Freunde. Gefühlt war sie nur da, um hochnäsig zu sein. Sich ständig für was besseres zu halten und den Prinzen anzuschmachten . . .

Kev dagegen war zwar ein ziemlicher Feigling und gut die Hälfte des Buches betrunken oder verängstigt, aber zumindest war er in seinem Verhalten ehrlich. Ich frage mich zwar welchen nutzen er noch im Verlauf der Reihe haben wird. Denn er mochte ein guter Fälscher sein, aber eben kein Kämpfer.
Zuletzt gibt es dann noch Logan. Ein ehemaliger Steinerner Wächter der sich – meiner Meinung nach – wegen eines dummen Grundes auf die Straße hat setzen lassen. Er ist Loyal, auf seine Art nett und unserem verwöhnten Prinzen ziemlich hörig.

Wirkliche Nebenfiguren gibt es nicht. Alles außer diesen vier bleibt irgendwie im Nebel. Weder werden Wirte noch Diener wirklich beschrieben. Das nimmt leider einiges an Atmosphäre raus.

 „Das gefälschte Siegel“ ist nicht wirklich einfach zu lesen. Der Aufbau der Story ist ruhig, die Grundidee genial. Der Stil anfangs wirklich schwer, später liest es sich einfach so runter. Einen derartigen Bruch habe ich noch nie in einem Buch erlebt.
Vom Tempo her verläuft diese Geschichte sehr ruhig, das gibt zwar Zeit die Veränderungen der Figuren nachzuspüren und beim Leser misstrauen zu sähen, kann sich aber an manchen Stellen – die bisher ziemlich sinnlos waren – sich zu ziehen. Das Ende war dann wieder überraschend und gleichzeitig ließ es mich schwanken. Soll ich Band 2 eine Chance geben? Denn bedenkt man das Ende, so könnte man diesen gesamten Band nur für einen – ziemlich langen – Vorspann halten. Vielleicht wird es ja erst richtig losgehen?Das werde ich noch überdenken. Dennoch hätte es diesem Buch meiner Meinung nach nicht schlecht getan etwas zusammengestaucht zu werden. Zu oft passiert einfach nichts.

Ein ruhiges Buch mit einigen Schwächen. Die Idee dahinter ist toll und wird vielleicht erst im 2. Teil ihr Potenzial entfalten. Ich zumindest brauchte hier wirklich starke Nerven.  

3 von 6 möglichen Krümeltörtchen. Nicht schlecht, aber doch nicht für jeden etwas. Gute Idee leider eher schwach umgesetzt,

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